Aus dem Leben/ Kinder

Was haben wir falsch gemacht? Uups, Mist gebaut! 

Die zertrümmerte Fensterscheibe, ein unerlaubtes Baustellenabenteuer, ein Diebstahl: Welche Erziehung hilft, wenn Kinder über die Stränge schlagen? Mein großer Bruder war immer für Überraschungen gut. Die erste seiner Untaten, an die mich erinnere, fand im Vorgarten unserer damaligen Vermittlerin statt.

Gemeinsam mit einem Freund (oder sollte ich besser sagen: Co-Missetäter) köpfte mein damals vielleicht achtjähriger Bruder sämtliche Tulpen. 

Meine Eltern waren fassungslos, die Vermieterin schäumte vor Wut. Als Teenie kam ihm dann die Idee, Straßen- und Verkehrsschilder abzuschrauben und sie woanders wieder anzuschrauben. Meine Mutter war wenig begeistert, als mein Bruder an einem Donnerstagabend in Begleitung eines Polizisten nach Hause kam. 

Inzwischen ist mein Bruder erwachsen, ein zuverlässiger Steuerzahler – und nein, er hat keine kriminelle Karriere eingeschlagen. Doch meine Mutter erinnerte sich bis an dem Tag, als sie friedlich einschlief im Krankenhaus, nachdem bei Ihr  ein Jahr zuvor die Diagnose Bauchspeicheldrüsenkrebs festgestellt wurde … die Gefühlslage, in der sie sich damals befand: Man empfindet Hilflosigkeit, gleichzeitig hat man eine Menge zu tun. Man muss sich um den Schaden kümmern, und dem Kind klarmachen, dass es so nun gar nicht geht. Und man fragt sich: Was haben wir falsch gemacht?”.

 

Strafen wirken nicht wie gewünscht 

Wir Eltern müssen nicht gleich an Grundsätzlichen zweifeln, wenn unsere Kinder Mist bauen. Es ist ein Teil der normalen Entwicklung, dass Kinder und Jugendliche über die Stränge schlagen.” 

Richtig sei aber, dass wir als Eltern eine ganz klare Haltung zum Geschehen beziehen sollten – und diese unseren Kindern auch unmissverständlich mitteilen sollten. Selbst wenn man schon im Moment des Geschehens weiß, dass alles halb so wild ist, ist es nicht klug, die Tat zu bagatellisieren und Scherze darüber zu machen. Strafen seien jedoch nicht sinnvoll, wohl aber Konsequenzen. 

 

“Es gibt leider keinen Trick mit den augenblicklich alles gelöst ist.”

Meine Eltern (und die Polizei) schlugen damals also intuitive den richtigen Weg ein: Mein Bruder musste sich bei der Übel gelaunten Vermieterin entschuldigen, und das Beet komplett neu bepflanzen. Und der Dorfpolizist brummte ihm als 13-Jährigem die Aufgabe auf, einen Samstag lang die Verkehrsschilder des Ortes zu reinigen. Mein Bruder lernte auf jeden Fall: Was ich tue, hat Folgen, mitunter auch arbeits- und zeitaufwendige. 

Nach so einer Wiedergutmachung sei es dann aber auch wichtig, die Sache wirklich als erledigt und abgeschlossen zu betrachten. Das Geschehen darf dann nicht immer wieder zum Vorwurf gemacht werden. 

 

Ruhe bewahren 

Mein Bruder lernte aus solchen Situationen nicht nur, weil er die Sache hinterher ausbaden musste. Er lernte auch am Modell. Die Kinder und Jugendliche beobachten, wie ihre Eltern die Krise “managen” , ob sie die Fassung verlieren oder angemessen reagieren können. Und je bedachter Eltern mit der Situation umgehen, desto mehr kann sich euer Kind an euch orientieren. 

“Konsequenz erfordert Zeit, Energie und zielgerichteteres Handel”

Zu einem guten Vorbild gehört etwa, die andere Seite oder neutrale Dritte anzuhören, bevor man sich eine endgültige Meinung bildet uns Schritte einleitet. Und wie eigentlich an allen schwierigen Situationen gibt es auch jetzt, die Ruhe zu bewahren! Hat man das Gefühl , zu aufgeregt zu sein, um sachlich zu bleiben, sollte man eine Vertrauensperson bitten, etwaige Gespräche zu führen. Sinnvoll ist es zudem, erst einmal eine “kleine Lösung” zu suchen. 

Wie geht Ihr mit der Situation um, wenn Euer Kind Mist gebaut hat?

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8 Comments

  • Reply
    shadownlight
    4. Oktober 2017 at 18:45

    Hey, Geduld Geduld, konstruktive Kritik, reden und handeln, die Fehler aufzeigen- alles tolle Sprüche und im echten Leben oft schwieriger als man denkt- ich habe Hochachtung vor allen Eltern!
    Liebe Grüße an dich!

    • Reply
      Blogzeit39
      7. Oktober 2017 at 16:02

      Hallo, oh ja! Wenn es dann einen persönlich trifft, sieht man es mit anderen Augen und handelt auch meistens ganz anders. Liebe Grüße Tina-Maria

  • Reply
    Filine bloggt
    4. Oktober 2017 at 21:27

    Sehr gut geschrieben. Liebe Grüße

    • Reply
      Blogzeit39
      7. Oktober 2017 at 16:01

      Hallo Silvia, vielen lieben Dank. Liebe Grüße Tina-Maria

  • Reply
    Lippenstift-und-Butterbrot
    7. Oktober 2017 at 22:25

    Ich finde deine Einstellung zu diesem Thema sehr gut. Genauso habe ich es mit meinen Kindern auch gehandhabt. Zu oft und zu lange unsinnige Telefonate geführt, die unsere Rechnung sprengten – also weniger Taschengeld und nicht mehr darüber geredet, als alles geklärt war. Aber unsere Töchter haben ihre Lehre daraus gezogen.

    Liebe Grüße
    Sabine

    • Reply
      Blogzeit39
      8. Oktober 2017 at 21:37

      Hallo, lange Telefonate haben wir noch nicht, dafür sind sie noch nicht aus dem Haus. Aber ich hoffe wir bleiben dann von langen unsinnigen Telefonaten verschont. Liebe Grüße Tina-Maria

  • Reply
    So plant Ihr mit Eurem Kind ihren eigenen Terminkalender + Gewinnspiel
    20. Mai 2020 at 21:19

    […] ein. Will die Familie miteinander in den Zoo gehen, notiert es sich jeder. Steht eine Klassenarbeit an, trägt sich das Kind an jedem Tag bis zum Termin zehn Extraübungen ein und kann am […]

  • Reply
    Dauerfrust Pausenbrot zwischen Kinderjogurt und Wurstbrot
    20. Mai 2020 at 21:38

    […] aus dem Pausenhof. Ich konnte mit meine Brote von zu Hause auch immer einpacken, wenn meine Klassenkameradin Sandra auspackte. Sie hatte Mini-Milkas, dabei. Oder Eiskonfekt. Manchmal Ahoi-Brause. Und sie […]

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    Ich, Tina-Maria Lenz (Wohnort: Deutschland), verarbeite zum Betrieb dieser Website personenbezogene Daten nur im technisch unbedingt notwendigen Umfang. Alle Details dazu in meiner Datenschutzerklärung.
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